Leider müssen wir uns als Imker zuallererst mit der Varroamilbe und deren Bekämpfung beschäftigen!! Es gibt zu diesem Thema viele Behandlungskonzepte und Philosophien die zum Teil sehr kontrovers diskutiert werden. Sicher ist nur eins: Ich muss (be)handeln oder ich verliere meine Völker!

Wir möchten euch hier verschiedenen Wege aufzeigen mit deren Hilfe Ihr den Varroabefall in euren Völker kontrollieren könnt. Ihr entscheidet dann welchen Weg Ihr geht. Unseren Neuimkern empfehlen wir jedoch sich zunächst an den Vorschlägen und Forschungsergebnissen der Bieneninstitute zu orientieren!! Behandeln streng nach Vorschrift!🙄Andere Wege benötigen meist einen sehr erfahrenen Imker oder einen Bienenflüsterer👍

Hier eine Zusammenstellung der verschiedenen Ansätze und Lösungsvorschläge.

  • TBE. Totale Brutentnahme. Alle!! Waben auf denen sich Brut befindet werden z.B. kurz vor oder nach der Honigernte  entnommen und das Volk wird auf neue Mittelwände gesetzt. Im Anschluss erfolgt z.B. eine Sprühbehandlung mit Oxalsäure. Oxalsäure als Winterbehandlung Mitte bis Ende Dezember zur Restentmilbung kommt zum Einsatz.
  • Ameisensäure-Behandlung. Erfolgt frühestmöglich in der Saison. Spätestens jedoch nach der Honigernte (3-4 Juliwoche) Ziel ist es daß möglichst unbelastete Winterbienen im August und September heranwachsen. Eine weitere AS-Behandlung folgt Mitte bis Ende September. Verwendet wird ein Verdunster oder Schwammtuch. Auch bei diesem Behandlungskonzept brauch es eine Winterbehandlung mit Oxalsäure an den Tagen vor oder nach Weinachten.
  • Käfigen der Königin. Es entsteht eine mehrwöchige Brutpause. In dieser Zeit läuft die Brut komplett aus. Die Milbe kann sich nicht weiter vermehren. Das brutfreie Volk wird mit Oxalsäure besprüht.
  • Bannwabenverfahren. Die Königin stiftet nur auf einer einzigen Wabe (Wabentasche) während auf allen anderen Waben die Brut ausläuft. Schlüpfenden und auf den Bienen sitzenden Milben bleibt nur eine Brutwabe auf der sie offene Brutzellen vorfinden. Diese wird nachdem die Zellen verdeckelt sind entnommen und eingeschmolzen. Die Königin wird auf eine neue Wabe gesetzt. Bei diesem Verfahren wird im Sommer/Herbst nicht mit As oder Oxalsäure behandelt.

 

Über die nachstehenden Links öffnet ihr die Veröffentlichungen der Bieneninstitute und könnt die Vorgehensweisen nachlesen.

Flyer Varroa 1 – Naturnahe Varroabehandlung 170302

 

Flyer Varroa 2 – Komplette Brutentnahme

 

Flyer Varroa 3 – Das Bannwabenverfahren

 

Flyer Varroa 4 – Kuenstliche Brutunterbrechung

 

Bieneninstitute 2007 Externe Berichte – Varroa unter Kontrolle

Bienengespräche

In dem folgenden Beitrag erzählen Bienenforscher, Wissenschaftler und Imker u.a. von der Varroabehandlung durch Brutentnahme (TBE), Käfigen der Königin und vom Bannwabenverfahren. Sehr hörenswert!!

Ab Minute 3:31 spricht Ralph Büchler vom Bieneninstitut Kirchhain über Alternativen zur AS Behandlung. Brutentnahme (TBE), Bannwabenverfahren und Brutpause durch Käfigen der Königin. („Bannwabenverfahren“ ab Minute 4:12)                                   ab 4:52 Bericht des Tiroler Imkers Andreas Platzer zum Thema: Brutentnahme, Wabenerneuerung und Varroabehandlung.

 

Varroakontrolle und -behandlung

Varroakontrolle und Behandlung: Puderzucker-Diagnose, Ameisensäure- und Oxalsäurebehandlung

 

Spätsommerbehandlung mit Ameisensäure

Nassenheider Verdunster in Rähmchen eingebautDie Spätsommerbehandlung erfolgt – je nach Milbenbelastung – mit dem Nassenheider-Verdunster mit Nachrüstsatz horizontal als Langzeitbehandlung. Die genaue Dosierung entnehmen Sie dem Beipackzettel des Nassenheider Verdunsters

Bauen Sie den Verdunster in ein Leerrähmchen ein, so dass er etwa in der Mitte sitzt. Das Fliestuch wird in dem Rähmchen mit Heftzwecken aufgespannt. Legen Sie etwas Folie unter das Fliestuch, damit die Ameisensäure nicht ins Holz zieht. Das Volk sollte nach der Ernte, falls nötig, zunächst eine Portion Futter bekommen. Das Rähmchen mit dem Verdunster wird an den Rand des Brutnests zwischen der letzten Brutwabe und den Vorratswaben gesteckt.

Restentmilbung in der brutfreien Zeit mit Oxalsäure

Die Restentmilbung am Ende der Bienensaison sollte möglichst früh mit Oxalsäure erfolgen, sobald die Völker brutfrei sind. Das ist erfahrungsgemäß je nach Standort frühestens Mitte November der Fall.

Tipp: Sollten zum Zeitpunkt der Kontrolle auf Brutfreiheit noch kleine Brutflächen im Volk sein, schneiden Sie diese einfach heraus und führen dann die Behandlung trotzdem durch. Das ist besser als weiter zu warten. Es gibt Jahre, in denen Völker durchbrüten. Außerdem müssen Sie die Völker dann nicht erneut stören und können frühzeitig behandeln.

Träufelmethode

In Deutschland ist die einzige zugelassene Applikationsform die Träufelbehandlung mit OXUVAR® bzw. Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5% (m/V) ad us. vet.. Träufeln Sie die Oxalsäurelösung gemäß der Anleitung auf dem Beipackzettel in die Wabengassen. Die Träufelbehandlung belastet die Bienen und darf auf keinen Fall wiederholt werden! Die Außentemperatur sollte zwischen -5° und +5°C liegen. Je enger die Bienen in der Wintertraube sitzen, um so besser ist der Wirkungsgrad.

Die im Folgenden vorgestellten besser bienenverträglichen Verfahren sind im offiziellen Schweizer Behandlungskonzept empfohlen und zugelassen:

Sprühverfahren

Das in Deutschland nicht zugelassene (mittlerweile erlaubt!) Sprühverfahren hat dagegen mit Abstand die beste Bienenverträglichkeit und kann leichter als im Magazin angewendet werden. Vorteil dabei ist, dass man das Bienenvolk noch einmal sieht. Es ist ja sowieso empfehlenswert, vor der Behandlung Waben im Brutnest zu kontrollieren, um sicher zu sein, dass das Volk brutfrei ist.

Bei der Sprühmethode werden pro besetzter Wabenseite 2 bis 3 ml der Oxalsäurelösung (3%, also ca. 30 g Oxalsäuredihydrat plus ca. 1 l Wasser) auf die Bienen gesprüht, dabei müssen nur die Bienen besprüht werden. Je feiner der Sprühnebel und je gleichmäßiger die Verteilung ist, umso besser sind Wirksamkeit und Verträglichkeit. Die Außentemperatur für Sprühbehandlungen sollte mindestens 8°, besser über 12°C betragen, damit die auffliegenden Bienen eine Chance haben, in den Bienenstock zurückzukehren.

 Anleitung Oxalsäure-Sprühverfahren

Tipp: Wenn Sie den Sprühkopf von der Sprühflasche abschrauben und mit einem etwas längeren feinen Schlauch (Aquariumzubehör) verbinden, der in die OS-Lösung hineinragt, können Sie ihn auch über Kopf betreiben (das geht mit normalen Sprühflaschen nicht). Dann wird die Behandlung in der Einraumbeute sehr einfach: An der Trennschiedseite werden so viele Waben zur Seite gerückt, bis Sie zur ersten bienenbesetzten Wabe kommen. Dann sprühen Sie einfach 2-3 Sprühstöße (ein Sprühstoß ist bei den meisten Zerstäubern 1 ml – testen Sie es vorher einmal, in dem Sie in eine Spritze oder ein anderes Gefäß mit feiner Skala sprühen) auf die Bienen, ohne die Wabe zu entnehmen. Sie sprühen einfach mit dem Sprühkopf in dem beim Wabenabrücken entstandenen Zwischenraum. Dann rücken Sie die Wabe ebenfalls nach außen und sprühen 2- bis 3-mal links, 2- bis 3-mal rechts, rücken die Wabe nach außen usw. So können Sie sehr schnell ein Volk behandeln, ohne Waben herausnehmen zu müssen.

Oxalsäureverdampfung

Ebenfalls sehr bienenverträglich und ebenfalls in Deutschland noch nicht zugelassen ist die Oxalsäureverdampfung. Wir empfehlen den Varrox®-Verdampfer, der mit einer Autobatterie betrieben wird. Durch den erhöhten Boden und die Inspektionsklappe ist die Verdampfung in der neuen Einraumbeute problemlos möglich. Legen Sie eine Kachel auf den Beutenboden, um ihn vor der Hitze zu schützen und positionieren Sie den Varrox unter dem Bienensitz. Verschließen Sie anschließend die Inspektionsklappe und das Flugloch und schließen den Verdampfer für 2,5 Minuten an die Batterie an. Der Verdampfer bleibt noch weitere 2 Minuten in der Beute und wird dann kurz im Wasser abgekühlt. Die behandelte Beute sollte noch 10 Minuten verschlossen bleiben. Sie benötigen ca. 1 g Oxalsäure-Dihydrat.

 Forschungsergebnisse Oxalsäure-Verdampfung

 Anwendersicherheit Oxalsäure-Verdampfungsverfahren

 Gebrauchsanleitung zum VARROX®-Verdampfer

Varroadiagnose mit Puderzucker

Wir empfehlen die Varroadiagnose mit der Puderzuckermethode. Sie ist wesentlich aussagekräftiger und kann jederzeit ohne Zeitvorlauf erledigt werden. Für eine repräsentative Bienenprobe entnehmen Sie Bienen von einer Wabe am Rand des Brutnests.

Aus diesem Grund haben wir bei der neuen Mellifera-Einraumbeute auch bewusst auf Bodenschieber und Windel verzichtet. Denn der geschlossene Boden ermöglicht es den Bienen besser das Mikroklima in der Beute zu regulieren.

Wer trotzdem Windelkontrollen bevorzugt, kann über die Inspektionsklappe eine Varroaschale einlegen, die im Imkerfachhandel angeboten wird.

Ausführliche Anleitung und Interpretation der Ergebnisse:

 Bienenprobe mit Puderzucker


Varroabehandlung der Schwärme

Wenn man im Winter zuvor keine optimale Behandlung hatte oder sich hinsichtlich des Varroa-Befalls nicht sicher ist, ist eine Behandlung der Schwärme nach dem Einlogieren sinnvoll. Der optimale Zeitpunkt ist kurz vor der Verdeckelung der ersten Brut, nicht viel früher. Das heißt bei Vorschwärmen etwa am 9. Tag nach dem Einlogieren. Bei Nachschwärmen hat man – je nach Begattungswetter – etwa 20 Tage zu warten.

Sinnvolle Behandlungsmethoden sind zu diesem Zeitpunkt das Oxalsäure-Sprühverfahren oder OS-Verdampfung (beide in Deutschland nicht zugelassen). Eine in Deutschland zugelassene Alternative wäre eine Sprühbehandlung mit 15%iger Milchsäure.

Wenn es irgend möglich ist, sollen Jungvölker auf einem zweiten Stand abseits von Altvölkern aufgestellt werden. Die Reinfektion mit Varroa-Milben ist sonst eine enorme Belastung und führt dazu, dass die Jungvölker in wenigen Wochen das gleiche Befallsniveau haben wie Altvölker. Sie müssen dann gegebenenfalls auch schon im Spätsommer mit Ameisensäure behandelt werden – was sonst unnötig ist. Getrennt aufgestellt ist i.d.R. erst im Winter eine Behandlung mit Oxalsäure erforderlich.