Infobriefe Bieneninstitut Celle vom 30.11.+4.12. Abschließende Gedanken zur Winterbehandlung

Abschließende Gedanken zum Thema Restentmilbung.

Infobrief vom 30. November 2020
■ Institut für Bienenkunde Celle
Rest-Entmilbung – auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an
Mit wenigen Ausnahmen wird in diesem Jahr die Varroa-Befallssituation im Vergleich
zu anderen Jahren insgesamt als eher entspannt eingeordnet. Dennoch sollte man die
besondere Möglichkeit und Chance einer abschließenden Rest-Entmilbung der Völker
nicht leichthin vertun. Mit dieser letzten Bekämpfungsmaßnahme in diesem Jahr kann
nämlich die Voraussetzung geschaffen werden, die Bienenvölker mit einer möglichst
geringen Zahl an Varroa-Milben in die neue Saison 2021 starten zu lassen. Dazu
liefern wir hier Anregungen und Empfehlungen.
Für einen guten Behandlungserfolg im Winter ist die erste Voraussetzung, die Völker
müssen zur Behandlung brutfrei sein. Die dafür geeigneten und zugelassenen
Varroazide wirken allesamt über den Kontakt der Milben mit dem Wirkstoff, nicht
jedoch auf diejenigen Milben, die sich in der verdeckelten Brut aufhalten. Als zweite
Voraussetzung gilt, die Bienen müssen für eine Träufel-Anwendung eng in der
Wintertraube sitzen, um so eine gleichmäßige Wirkstoffverteilung zu garantieren.
Deshalb sind Außentemperaturen zum Zeitpunkt der Behandlung unter oder um den
Gefrierpunkt herum geradezu ideal. Bei 2-zargigen Völkern muss zur Träufel-
Behandlung die obere Zarge vorsichtig nach oben gekippt werden, denn i.d.R. sitzen
die Völker unter dem Futter in der unteren Zarge.
Die Nachttemperaturen der letzten Tage lagen unter dem Gefrierpunkt. Dadurch
werden die noch vereinzelt brütenden Völker endgültig ihre Bruttätigkeit einstellen. Die
Königin stellt die Eilegetätigkeit ein und die noch vorhandene offene Brut wird z.T.
nicht mehr weiter versorgt und ggf. herausgefressen. Einige Brutzellen werden ggf.
noch verdeckelt. Die Bienen in allen verdeckelten Zellen müssen noch schlüpfen,
damit die in den Zellen vorhandenen Varroen frei kommen und sich dann ausschließ-
lich auf den erwachsenen Bienen aufhalten können. Daher ist jetzt noch nicht der
richtige Zeitpunkt für eine Behandlung, aber ab jetzt kann der optimale Behandlungs-
zeitpunkt für die Rest-Entmilbung kalkuliert werden.
Von nun an sollte man deshalb die Wetterprognosen aufmerksam verfolgen,
denn in drei Wochen beginnt das geeignete Zeitfenster für die Rest-Entmilbung.
Dann nämlich sind die Völker brutfrei. Wie schon gesagt, sind Temperaturen unter
dem Gefrierpunkt für die Behandlung besonders geeignet. Sollten jedoch in drei
Wochen eventuell leichte Plusgrade über Tage angesagt sein, sitzen die Bienen
zumindest nach kalten Nächten in den frühen Morgenstunden eng in ihrer Winter-
traube zusammen. Dann sollte man frühmorgens behandeln. Die Rest-Entmilbung
muss spätestens zum Jahreswechsel hin erfolgt sein, da erfahrungsgemäß die
Bienenvölker dann wieder mit der Brutaufzucht beginnen.

■ Die Rest-Entmilbung
Dazu stehen der Imkerschaft in Deutschland derzeit verschiedene zugelassene
Varroazide zur Sprüh- oder Träufel-Anwendung zur Verfügung. Für die Winterbe-
handlung ordnen wir jedoch die Träufel-Anwendung als besonders geeignet ein:
 mehrere Oxalsäure-Produkte,
– Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,55 (m/V) ad us. vet. zur Träufel-Anwendung [Serumwerk
Bernburg AG]
– Oxuvar® 3,5 % (m/V) ad us. vet. zur Träufel-Anwendung [Andermatt BioVet GmbH]
– Oxuvar® 5,7 % zur Träufel- oder zur Sprüh-Anwendung [Andermatt BioVet GmbH]
– Oxybee® / Dany’s BienenWohl® zur Träufel-Anwendung [Véto-pharma bzw. Dany
Bienenwohl GmbH]
 das kombinierte Oxalsäure-/Ameisensäure-Produkt,
– VarroMed® zur Träufel-Anwendung [BeeVital GmbH]
Bei diesem Kombinationsprodukt (4,4 %ige Oxalsäure-Dihydrat-Lösung in Kombination
mit 0,5 %iger Ameisensäure) hat allein die Oxalsäure eine varroazide Wirkung. Der
geringe Ameisensäure-Zusatz in diesem Fertigprodukt dient nach Herstellerangaben
allein der Verlängerung der Wirkdauer der Oxalsäure und die Verträglichkeit des
Tierarzneimittels soll dadurch verbessert werden.
 ein Milchsäure-Produkt,
– Milchsäure 15 % ad us. vet. zur Sprüh-Anwendung [Serumwerk Bernburg AG]
Lesen Sie bitte zunächst aufmerksam die Packungsbeilage des Produktes, das Sie
einsetzen wollen und folgen Sie den Angaben zur praktischen Anwendung. Für alle
diese Varroazide gilt es auch die Sicherheitsbestimmungen als Anwender zu
beachten. Grundsätzlich sind die Gebrauchslösungen ätzend. Sie können Haut,
Augen, Schleimhäute und Atemwege reizen. Daher müssen bei der Träufel-Anwen-
dung unbedingt säurefeste Handschuhe und eine Schutzbrille getragen werden. Sollte
eine Sprüh-Anwendung beim Produkt Oxuvar® 5,7 % oder Milchsäure bevorzugt
werden, bedarf es zusätzlich einer Atemschutzmaske mit der Schutzklasse vom Typ
FFP2 (FFP = filtering face piece). Die oben genannten Varroazide besitzen alle eine
gute Wirksamkeit auf Milben, die auf den Bienen sitzen und eine geringe Toxizität für
die Bienen. Jedoch sollte Oxalsäure zur Winterbehandlung nur einmal an einem
Bienenvolk angewandt werden, ansonsten können die Bienen vermehrt Schaden
nehmen.
Wir wünschen Ihnen eine friedvolle und besinnliche Adventszeit! Passen Sie auf sich
auf und bleiben Sie gesund!
Dr. Otto Boecking,
Prof. Dr. Werner von der Ohe
LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Ergänzungschreiben zum 30.11. Bieneninstitut Celle am 4. Dezember:

Infobrief vom 04. Dezember 2020
■ Institut für Bienenkunde Celle
Im Nachgang zu unserem Infobrief „Rest-Entmilbung – auf den richtigen
Zeitpunkt kommt es an“ vom 30. November ergänzen wir das Folgende:
Einzelne Nachfragen zu unserem letzten Infobrief veranlassen uns zur folgenden
Ergänzung:
– eine Rest-Entmilbung sollte auf jeden Fall erfolgen. Dabei ist die Träufel-
Behandlung mit Oxalsäure besonders geeignet und einfach praktisch
umsetzbar,
– auf keinen Fall sollten noch unmittelbar vor oder gar während der
Behandlung Waben gezogen werden. Das würde dem besonderen Vorzug
einer Träufel-Behandlung entgegenstehen. Es wird ja dazu bewusst ein
Behandlungsmoment gesucht, währenddessen die Bienen eng in der
Wintertraube zwischen den Waben sitzen und das Varroazid somit nicht auf
den Beutenboden durchtropfen kann. Das ist grundsätzlich bei kalten
Außentemperaturen garantiert.
Bei jedem Wabenziehen würden die Bienen unnötig gestört, der enge Sitz
aufgelockert werden und womöglich fallen dann Bienen von der nach unten
durchhängenden Wintertraube herab und erfrieren dort am Beutenboden.
Unschädlich ist hingegen das vorsichtige Hochkippen der oberen Zarge, wenn
2-zargige Völker behandelt werden.
Untersuchungen haben belegt, dass wenige Frostnächte die Bienen
veranlassen ihre Bruttätigkeit einzustellen. Das muss also nicht überprüft
werden, denn die ersten Frostnächte gab es in den vergangenen Tagen. Belegt
ist auch, dass kleinste Brutflächen – wenn dann eventuell noch vorhanden – den
Behandlungserfolg nicht schmälern.

 

 

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